Schwere E-Stapler mit vier Fahrmotoren

Das Unternehmen Linde erweitert seine bisherigen Baureihen an Elektrostaplern um 10-18 Tonnen-Modelle. Erstmals vorgestellt wurden diese auf der „World of Material Handling“ Ende Juni in Mannheim. Jetzt steht Senior Product Manager Christopher Reis der STAPLERWORLD Rede und Antwort.

Christopher Reis, Senior Product Manager Counterbalanced Trucks für Linde Material Handling, im Interview mit der STW. (Bild: Linde Material Handling GmbH)

STW: Ab wann werden die großen in China produzierten E-Stapler erhältlich sein?


Christopher Reis: Seit September werden die großen Elektrostapler im Traglastbereich von 10 bis 18 Tonnen gefertigt und ausgeliefert. Bestellt werden konnten die Fahrzeuge der neuen Modellreihe allerdings seit einigen Monaten schon.

STW: Welche Besonderheiten bieten die Geräte außer der im Gerät einzusetzenden Batterie?


Christopher Reis: Ein sehr wichtiger Vorteil der Elektroschwerstapler ist ihre gute Rundumsicht. Wir gehen hier sogar so weit zu behaupten, dass der Fahrer im Linde-Stapler die beste Sicht im gesamten Wettbewerbsumfeld hat. Das sorgt für ein hohes Maß an Sicherheit im Einsatz und erleichtert dem Fahrer das Rangieren. Verantwortlich für diese gute Sicht sind die vollständig ins Chassis integrierten Batterien und das abgeflachte Gegengewicht. Dadurch haben die Bediener alles im Blick und profitieren überdies von einem sehr kleinen toten Winkel. Ein weiterer Pluspunkt ist die Dachscheibe aus Panzerschutzglas. Der Fahrer blickt ungestört hindurch und ist gleichzeitig vor herabfallenden Lasten geschützt. Sehr hilfreich für die Bediener ist auch das farbige, 7-Zoll große Touch-Display. Es verfügt über eine hohe Auflösung und kann optional die Bilder der Rückfahrkamera anzeigen. Last but not least sorgt der sehr niedrige Fahrzeugschwerpunkt für eine hohe Stabilität in Kurvenfahrten.

STW: Welche Lastschwerpunktabstände werden angeboten?

Christopher Reis: Je nach Art und Größe der zu transportierenden Waren werden die neuen Elektroschwerstaplermodelle mit Lastschwerpunktabständen von 600, 900 und 1.200 Millimetern angeboten.

STW: Gibt es Sonderausführung für Gießereien (Transport feuerflüssiger Massen) oder für die Getränkeindustrie (erhöhter Fahrerplatz)?

Christopher Reis: Ja, Sonderausführungen sind für unsere Kunden aus der Holz-, Stahl-, Stein- und Getränkeindustrie immer ein Thema. Deshalb werden wir nach und nach alle kundenspezifischen Lösungen (CO), die es für die beiden Schwesterbaureihen H100 bis 180 (mit hydrostatischem Antrieb) und HT100 bis 180 (mit Wandlergetriebe) gibt, auch für die Elektrostapler verfügbar machen. Somit stehen zukünftig neben den Sonderausstattungen – Mehrfachpaletten- oder Rohrklammer, Tragedorn sowie Zinkenverstellgerät – Sonderausführungen u.a. für Gießereien zur Verfügung.

STW: Der Markt ist mit chinesischen, skandinavischen und italienischen Anbietern dicht besetzt, welche Argumente bei Technik und Service sprechen für die neuen Linde-Geräte?


Christopher Reis: Das Antriebssystem mit vier Fahrmotoren auf einer Antriebsachse ist weltweit einzigartig. Das patentierte Getriebe bringt die Kraft von vier Elektromotoren auf die beiden Antriebsseiten und sorgt damit für die nötige Power beim Umschlag der schweren Lasten.
Als weitere Besonderheit bieten wir unseren Kunden die Möglichkeit, ohne Änderung am Fahrzeug beliebig zwischen Blei-Säure- und Lithium-Ionen-Batterien zu wechseln. Das gibt es bis dato nur bei der Marke Linde. Daneben verfügen die elektrischen Schwerstapler über alle Vorzüge der Antriebsart, die bereits von den kleineren Baureihen bekannt und geschätzt sind: Sie sind leise im Einsatz, stoßen keine Emissionen aus, lassen sich im Innen- und Außenbereich gleichermaßen verwenden und verfügen über eine hohe Leistungsfähigkeit, die den Verbrennern ebenbürtig ist. Gleichzeitig findet mit der getrennten Ansteuerung der linken und rechten Antriebsräder ein weiteres Prinzip der Elektrostapler bei den Schwerstaplern Anwendung: Dadurch kann das kurveninnere Rad – bis hin zum Stillstand – langsamer drehen als das kurvenäußere Rad. Auf diese Weise kann ein kleinerer Wenderadius bei Kurvenfahrten realisiert werden und der Reifenverschleiß ist geringer. Servicetechnisch spricht für die Lithium-Ionen-Batterien ihre Wartungsfreiheit. Darüber hinaus sind alle Wartungsöffnungen am E100 bis E180 an einer Stelle und leicht zugänglich hinter einer Service-Abdeckung zusammengeführt. Sollten Tätigkeiten an den Antriebskomponenten nötig sein, lässt sich zudem die Kabine elektrisch vorwärts neigen.

STW: Sind in diesem Segment LI-ION-Batterien für die Kunden wichtig und wenn ja welche Umrüstungsmaßnahmen beim Wechsel von PzS- auf LITHIUM-Batterien sind erforderlich?

Christopher Reis: Ja, auch Kunden, die Schwerlaststapler bis 18 Tonnen im Einsatz haben, wollen nachhaltiger wirtschaften und fragen nach Geräten, die im Betrieb keine Emissionen ausstoßen, leise sind und geringe Wartungskosten verursachen.
Bei den eingesetzten Lithium-Ionen-Batterien handelt es sich um bewährte Technik. Das Antriebssystem basiert auf Komponenten der Acht-Tonnen-Baureihe von Linde, die sich im Einsatz bereits bewährt haben und für maximale Zuverlässigkeit sorgen – selbst in den härtesten Einsätzen. Das bedeutet aber auch: Die Servicetechniker kennen sich mit den Komponenten aus und haben damit Erfahrung. Positiv bemerkbar macht sich auch, dass keine Umrüstmaßnahmen beim Tausch von Blei-Säure zu Lithium-Ionen-Batterien erforderlich sind. Wichtig ist hierbei lediglich, dass nur jeweils gleichartige Batterien verbaut werden. Das Fahrzeug erkennt dann automatisch, welche Batterieart verbaut ist und passt die Kennlinien selbstständig an.

Info:
Linde Material Handling GmbH
D-63743 Aschaffenburg
www.linde-mh.de



Categories: Frontstapler, Spezialstapler

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